Chinchilla-Übersichtstext

Grau, süss, große Segelohren, das sind Chinchillas. Wie sie gehalten werden, was sie fressen und was sie sonst noch so brauchen um ein glückliches, langes Leben zu führen, erfahrt ihr hier.

Eckdaten:

  • Ursprüngliches Herkunft: chilenische Küstengebiete und Mittel-Chile zwischen 400m- 1500m Höhe, später Rückzug in höher gelegene Gebiete aufgrund der Besiedlung durch Menschen
  • Lebensweise: verbringen die meiste Zeit des Tages ruhend und schlafend in Verstecken wie Erdlöchern, hinter Futterpflanzen und Felsspalten; gegen Dämmerung gehen sie auf Futtersuche; leben in Kolonien

  • Gewicht: ca. 400-700g; einzelne Individuen – oft Zuchttiere − bis zu 1000g
  • Größe: 20-26cm + 10-20cm Schwanz
  • Lebenserwartung: ca. 6-15 Jahre, manche über 20 Jahre; viele sterben früher aufgrund falscher Ernährung, Haltung und Zuchtfehlern/ Erbkrankheiten. 

 

Ein paar Eigenheiten vorab:

  • Chinchillas sind nachtaktive Tiere und nicht für Kinder geeignet!
  • Chinchillas schlafen in der warmen Jahreszeit länger als in der kalten. Ganz grob kann man die Aktivitätszeit auf 19-7 Uhr zusammenfassen +/-2h. Tagsüber stehen die Kleinen mehrere Male auf um zu fressen, urinieren oder zu nagen.
  • Sie sind kletterer, sollten aber trotzdem genügend und sichere Laufflächen haben, damit sie nicht abstürzen.
  • Chinchillagehege sollten nicht zu oft umgestellt werden, da die Tiere sonst nicht mehr ihre gewohnten Wege gehen können und sich bei Abstürzen oder Zusammenstössen verletzen könnten.

Haltung des Chinchillas:

Die Unterkunft für Chinchillas kann nicht groß genug sein. Die empfohlenen Mindestmaße lauten:

  • 2 Chinchillas: 2m x 0,8m x 1,2m (B,T,H) oder 1,5m x 1m x 1,5m
  • 3-4 Chinchillas: 2m x 1m x 2m (B,T,H)
  • 5-6 Chinchillas: 2,5m x 1m x 2m (B,T,H)

Bedeutung der Mindestmaße:

Ein genügend großer Eigenbau bzw. Holzkäfig – oder noch artgerechter ein Chinchillazimmer – inklusive vernünftiger Käfigeinrichtung ist für die psychische und physische Gesundheitserhaltung unbedingt notwendig. Bei ausreichend viel Bewegungsfreiraum kann das aufgenommene Futter im Verdauungsapparat besser weitertransportiert werden (Chinchillas haben nur eine geringe Darmeigenbewegung, die den Futterbrei weiterbefördert), so beugt man einer Verstopfung oder Gasbildung vor. Außerdem wird auf diesem Wege Übergewicht entgegengewirkt und die Muskeln und Gelenke werden trainiert.

Und: eine ausreichende Käfiggröße ist wichtig, damit unsere Heimchinchillas wenigstens einen Teil ihrer artspezifischen Bewegungsabläufe tätigen können. Daher sollte man seinen Tieren auch so viel Platz gewähren – bestenfalls jedoch noch mehr. Bedürfnisorientierter ist eine Breite und Höhe von mindestens 2m. Ab einer Höhe von 2m kann eine Zwischenetage eingebaut werden, denn bei niedriger Höhe angebracht nimmt sie den Tieren nur unnötig Platz und Bewegungsfreiheit weg. Ansonsten reichen Sitzbretter, Äste und partiell eingezogene Etagen, die so angebracht werden, dass die Tiere nicht tief stürzen können.


Chinchillas benötigen eher Lauffläche. Sie sind keine Kletteraffen! Den Käfig also eher in die Breite statt Höhe bauen. Ideal ist natürlich viel Breite und Höhe!

Die Ernährung des Chinchillas:

Das Hauptfutter jedes folivern Kleinsäugers (Chinchilla, Degu, Meerschweinchen, Kaninchen u.a.) muss das Grün- und Raufutter sein wie es auch in der Natur der Fall ist. Nur dieses gewährleistet eine tadellose Verdauung ohne Fehlgärungen und Darmfloraverschiebung und ihrer Folgen (Durchfall etc.), den optimalen Zahnabrieb und beugt Verhaltensanomalien vor.


Entgegen aller Gerüchte ist ebenfalls frisches Obst und Gemüse nicht gehaltvoll und darf an Chinchillas zusätzlich (nicht anstatt!) zum Grün- und Raufutter täglich verfüttert werden. Dabei sind individuelle Vorlieben zu beachten, denn gerade Gemüse ist bei vielen Chins eher unbeliebt. Beliebt sind z.B. Chicoree, Endivie, Salatherzen, Apfel oder Möhre. Obst und Gemüse beinhalten Ballaststoffe, Vitamine, viel Wasser, aber insgesamt auch weniger wertvolle Pflanzenstoffe und Fasern als Wildpflanzen und auch Säure und Fruchtzucker, sodass sie kein Ersatz für Wildpflanzen darstellen wohl aber eine gesunde Ergänzung. Getrocknetes Gemüse und Obst hingegen ist kein Hauptfutter, sondern Kraftfutter oder Leckerchen.

Zum Mehrbedarffutter zählt das Kraftfutter. Komponenten, die zum Kraftfutter zählen, sind:

 

  • Sämereienmischung 
  • Mischfutter (Beliebte Komponenten für ein selbsterstelltes Mischfutter sind Tomaten, Paprika, Hagebutten, rote Beete, Kartoffeln, Topinampur, Brokkoli, Blumenkohl, Zucchini, Gurke, Karotte, versch. Stiele (Kerbel, Dill, Petersilie), Wirsing, Löwenzahnwurzeln – man kann auch diese Komponenten mit diversen Samen mischen)
  • Alleinfuttermittel-Pellets (nur unter Vorbehalt zu empfehlen v.a. für Neuhalter)
  • kommerzielles Mischfutter (nicht empfehlenswert!)Mehrbedarffutter ist in größerer Menge Pflicht bei Tieren während der Trächtigkeit, Laktation, Krankheit und bei Untergewicht/Abmagerung. Haben die Chins hingegen Übergewicht oder fressen zu wenig vom Hauptfutter, muss das Kraftffutter reduziert werden.Man kann verschiedene Kraftfuttersorten abwechselnd geben oder nur eine Sorte.Generelle Richtlinie für die Kraftfutter-Menge: Nicht mehr als 7g Kraftfutter pro gesundes, ausgewachsenes Tier und Tag, es sei denn die Tiere teilen sich das Kraftfutter sinnvoll ein und stopfen sich damit nicht voll.


Konstellationen und Sozialverhalten des Chinchillas:

Jeder steht irgendwann vor der Entscheidung: Wie viele Chins und welche Gruppenzusammensetzung soll gewählt bzw. gehalten werden? Welche Konstellationen und welche Geschlechter können miteinander überhaupt gehalten werden?

Grundsätzlich ist bei Chinchillas jede soziale Konstellationen möglich. Was man dabei beachten sollte, ist unten aufgeführt.


Gleichgeschlechtliche Paarhaltung:

Unkastriertes Böcken + Unkastriertes Böckchen
Kastriertes Böckchen + Kastriertes Böckchen
Unkastriertes Böckchen + Kastriertes Böckchen
Weibchen + Weibchen

Verschiedengeschlechtliche Paarhaltung:
Weibchen + Katriertes Böckchen
Weibchen + Unkastriertes Böckchen

Gleichgeschlechtliche Gruppenhaltung
Mehrere Weibchen
Mehrere Böckchen (unkastriert/kastiert)
Haremshaltung
Unkastriertes Böckchen + Mehrere Weibchen
Kastriertes Böckchen + Mehrere Weibchen

Mischgruppenhaltung
Mehrere Weibchen + Mehrere Böcke

Die Vergesellschaftung des Chinchillas:

Eine Vergesellschaftung setzt sich fast immer aus mindestens drei (3.-5.Phase), oft auch fünf Phasen zusammen:

1. Erstkontakt (optional, aber anzuraten)
Schnuppertest

2. Vorbereitungsphase (optional)
Diese Phase ist v.a. anzuraten bei zerstrittenen Chinchillas, die wieder zusammengeführt werden sollen, oder bei größeren Gruppen.

Möglich hier ist eine der folgenden Methoden:
Käfig-an-Käfig-Methode
Käfgtausch- (oder Sandtausch) – Methode

3. Klärungs-Phase
In dieser Phasen sollen sie Tiere die Möglichkeit bekommen sich gegenseitig richtig und überall zu beschnuppern, zu besteigen und weitere erste soziale Kontakte zueinander aufzubauen und erste Rangordnung zu klären. In dieser Phase entscheidet es sich, ob die Tiere zueinanderpassen oder nicht.

In Frage kommen hierfür:
Transportbox-Methode
Meerschweinchenkäfig-Methode
Auslauf-Methode

4. Kennenlern-Phase
In dieser Phase soll enge Nähe geschaffen werden, die Tiere sollen zueinander Vertrauen aufbauen und „Freunde“ werden. Der Halter lässt seine Tiere nicht alleine und beobachtet den Umgang miteinander gut, um notfalls adäquat eingreifen zu können.

Umzug in einen neutralen, nicht zu großen Käfig z.B. in einen Meerschweinchenkäfig – diese Phase entfällt, wenn man in der 3. Vergesellschaftungs-Phase die Meerschweinchenkäfig-Methode wählt.

5. Stabilisierungs-Phase
Die Tiere sollen zu einer dauerhaften Gemeinschaft heranwachsen. Auch hier ist der Halter stets vor Ort und lässt die Tiere min 1 Tag und 1 Nacht nicht aus den Augen.

Umzug in den zuvor gereinigten Hauptkäfig
Umzug in den zuvor gereinigten Hauptkäfig, der aber erst einmal offen steht (d.h. + Auslauf)

alternative Vergesellschaftungs-Methoden:
freie Partnerwahl

nicht geeignete Methoden:
Panikbox-Methode / Kleinraum-Methode
Käfig-in-Käfig-Methode
Geruchsüberdeckungs-Methode

Der Text stammt von einem Co-Redakteur

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