Mongolische Rennmaus-Übersichtstext

Die Mongolische Rennmaus, wie wird sie gehalten? Was frisst sie? was gibt es zu beachten und für wen eignet sie sich? Ich habe hier einen Übersichtstext für euch über die posierlichen Tierchen, bevor wir tiefer in die Materie einsteigen.

Eckdaten:

  • Herkunft: Steppen/ Wüstenrandgebiete der Mongolei und Nordchina
    • Lebenserwartung:  3-5 Jahre
  • Geschlechtsreife: Weibchen mit ca. 8 Wochen, Männchen mit ca. 10 Wochen
  • Jungenanzahl: 4-8
  • Fellfarbe: Agouti (Wildfarbe), andere Farbschläge z.B. Schecken, Schimmel usw.
  • Körperlänge: 9-14 cm
  • Schwanzlänge: 9-12 cm 
  •  Gewicht: 65-100 g

Ein paar Eigenheiten vorab:

  • Mongolische Rennmäuse sind sehr nette, aufgeweckte Tiere die relativ zahm werden können
  • Sie sind höhenblind, das heißt, dass sie Höhen nicht einschätzen können, weshalb Etagen und andere Anhöhen im Gehege abgesichert werden sollten um Stürze zu vermeiden.
  • Männchen neigen eher als Weibchen dazu etwas mollig zu werden (zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht).
  • Rennmäuse sind wechselaktiv, sie sind also tagsüber, sowie abends und nachts immer wieder wach und damit tolle Beobachtungstiere.


Anschaffungskosten und seriöse Züchter:

Bei Auffangstationen, Pflegestellen, Tierheimen und anderen Tierschutzorganisationen belaufen sich die Anschaffungskosten auf eine Schutzgebühr die erfahrungsgemäß zwischen 10 und 20 € liegt.

Beim Züchter kosten die Tiere zwischen 15-30€, je nach Farbschlag, Alter etc.

Überhaupt nicht kaufen, sollte man seine kleinen Mitbewohner, in einem Zoogeschäft.

Gründe:

  • Die Jungtiere werden viel zu früh von ihren Eltern getrennt und sind dadurch nicht richtig sozialisiert.
  • Sie werden nicht artgerecht gehalten was Gehegegröße, Einrichtung usw. betreffen.
  • Die Tiere müssen unter dauerhafter, künstlicher Beleuchtung leben und werden zusätzlich durch die vielen Menschen, die am Gehege vorbeigehen, gestresst.
  • Zooladentiere werden ohne Sinn und Verstand „nachgezüchtet“. Sie werden vermehrt ohne Kenntnis von Genetik und Erbkrankheiten der Elterntiere und damit besteht die Gefahr, dass die Tiere unsozial sind und irgendwann krank werden.
  • Die Tiere werden oft in gemischten Gruppen gehalten, wodurch Trächtigkeiten gekaufter Mäuse häufig vorkommen.
  • In den meisten Fällen sind die Zooladenmitarbeiter nicht in der Lage, die Geschlechter der Tiere richtig zu unterscheiden, so dass man im schlimmsten Fall eine gemischte Gruppe mit nach Hause nimmt.

Wie erkenne ich einen seriösen Züchter?:

  • Kann er Fragen zu der Haltung, Fütterung, sonstigen Ansprüchen der Tiere beantworten?
  • Kann man sich die Elterntiere ansehen?
  • Ab welchem Alter werden die Tiere abgegeben?
  • Werden die Tiere artgerecht gehalten?
  • Werden sie artgerecht gefüttert?
  • Wieviele Würfe produziert der Züchter mit einem Muttertier?
  • Hat der Züchter Ahnung von Genetik?

Abgabealter:

Mongolische Rennmäuse sollten bis zur 8 Lebenswoche bei dem jeweiligen Elterntier bleiben, wenn sie danach zu einem älteren Tier vergesellschaftet werden sollen.

Jungtiervergesellschaftungen gelten als einfach, im Vergleich zu Adultvergesellschaftungen, da die Tiere bis zum Alter von 10 Wochen noch keinen Eigengeruch haben und damit den Geruch des Partnertiers schneller annehmen. Erwachsene Tiere nehmen Jungtiere, wenn sie selbst ausreichend sozialisiert sind, in diesem Alter ohne lange Vergesellschaftung an und es gibt keine größeren Streitereien oder dergleichen. Die heiße Phase kommt bei einer Jungtiervergesellschaftung zu einem späteren Zeitpunkt, wenn das Jungtier in die Flegelphase kommt und seine Grenzen austestet bzw. die Rangordnung anfechtet.

Als Pärchen sollten die Jungtiere frühestens mit 10-12 Wochen abgegeben werden, damit sie lange genug durch ihr jeweiliges Elterntier und die Geschwister sozialisiert wurden.

Behausung:

Bei der Mongolischen Rennmaus betragen die Mindestgehegemaße 1m x 50cm x 50cm, das entspricht einer Fläche von 0,5m². Diese Fläche sollte nicht durch Löcher, Abschrägungen, Trennwände oder andere Hindernisse unterbrochen werden. Mongolische Rennmäuse sind, wie ihr Name schon verrät Läufer, so dass sie diese Fläche definitiv brauchen.

Ich selbst halte meine Tiere in 1,20m x 60cm x 60cm OSB-Terrarien und Aquarien und muss sagen ich finde die Mindestmaße, wie in den meisten Fällen, zu klein angesetzt. Mongolische Rennmäuse sind sehr aktive, neugierige und intelligente Tiere, weshalb ich mehr Platz deutlich empfehlenswerter finde. Wir möchten unser Leben schließen auch nicht in einem kleinen Raum fristen, wenn wir mehr haben können.

Je größer desto besser ist hier eindeutig die Devise.

Das Rennmausgehege muss über eine ausreichende Belüftung verfügen, da die Kleinen beim Buddeln ordentlich Dreck und Feinstaub aufwirbeln. Am besten ist diese durch eine Front-, Seiten- und Deckenbelüftung gewährleistet. Ohne ausreichende Belüftung atmen die Renner den aufgewirbelten Staub ein, was dauerhaft zu Lungenproblemen und Allergien führen kann. Bei Aquarien und Glasterrarien empfiehlt sich eine Belüftung über den kompletten Deckel.

Viele Gehege, die es so fertig zum Kauf gibt, haben keine ausreichende Belüftung und müssen daher umgebaut werden, bevor sie bezogen werden können. An dieser Stelle kann man, zumindest bei Holzgehegen, selbst Hand anlegen und weitere Lüftungen aussägen und mit Zaun oder Lochblech verkleiden. Die Maschengröße sollte nicht größer als 1,2×1,2cm sein und der Zaun auf Verletzungsgefahren, wie abstehende Metallstücke und scharfe Kanten, geprüft werden, bevor er angebracht wird.

Mongolen sind keine großen Kletterer, dennoch kommen Teil- oder Volletagen gut an, auch sind sie sehr nützlich um dort Wasser, Frischfutter und andere Dinge unterzubringen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Mäuse bei einem Sturz von der Etage weich landen und die Etagen durch Geländer oder ähnliches sturzsicher gemacht werden. Tiefe Stürze über 10cm sollten ganz vermieden werden.

Rennmäuse sind höhenblind, können dadurch keine Höhen einschätzen und wenn ein Tier doch einmal abstürzt, sollte nicht die Gefahr bestehen, dass es auf einem Einrichtungsgegenstand landet und sich verletzt. Deshalb sollte Einrichtung nie direkt unter der Etage stehen.

Paarhaltung oder Großgruppenhaltung:

Bei der Mongolischen Rennmaus empfiehlt sich eine gleichgeschlechtliche Paarhaltung, da die Nager in freier Natur zwar in großen Familienverbänden, aber innerhalb diesen, immer mit einem Partnertier zusammenleben. Größere Gruppen gelten als instabil und halten in den meisten Fällen nicht dauerhaft.

Kastraten werden von Männchen und Weibchen gleich gut akzeptiert. Die Kastration bei einer Rennmaus ist jedoch eher der letzte Weg ein unsoziales Tier wieder mit einem neuen Partner zusammen zu bringen. Rennmäuse sind hier nicht wie Farbmäuse, die unbedingt kastriert werden müssen.

Gruppen ab einer Größe von 3 Tieren werden als Großgruppen bezeichnet und eignen sich, wenn überhaupt, am besten für bereits erfahrene Rennmaushalter. Auch diese sollten aus gleichgeschlechtlichen Tieren bestehen, da ansonsten das Resultat jedem klar sein dürfte, der das Prinzip von Bienchen und Blümchen kennt.

Solche Gruppen sollten immer besonders genau beobachtet werden, Streitpunkte wie zu enge Aufgänge oder Häuschen mit nur einem Eingang vermieden werden und es sollte die Möglichkeit bestehen mindestens noch 1 oder mehrere weitere Gehege aufzustellen, falls es zu Streitigkeiten kommt. Wenn es zum Streit kommt, kann es zu schweren Verletzungen bis hin zum Tod eines oder mehrerer Tiere kommen. Das ist jedoch auch bei 2er Gruppen möglich, falls es dort einmal zum Streit kommt.

Deshalb sollten auch dort Engstellen vermieden werden.

Einstreu:

Das liebste Hobby der Rennmaus ist das Graben von Tunneln und unterirdischen Behausungen, weshalb eine Einstreuhöhe von 20cm besser 30cm gegeben sein sollte.

Damit Einrichtungsgegenstände nicht untergraben werden können, sollten sie auf Stelzen stehen, direkt auf dem Gehegeboden oder auf einer Etage. Beim Untergraben besteht die Gefahr, dass die Tiere zerdrückt werden.

Empfehlenswert für das Rennmausgehege sind besonders staubarme oder vollkommen staubfreie Einstreusorten. Außerdem sollte die Einstreu grobspanig sein, da große Späne stabiler sind beim Tunnelbau als feine Einstreus, wie z.B. Leineneinstreu.

Einstreusorten wie Allspan XL und ähnliche Sorten sind meine Favoriten, nachdem ich jahrelang hin und her getestet habe. Sie haben einen sehr angenehmen Geruch, sind saugstark und sehr stabil. Eine Beimengung von Heu oder anderen Einstreus ist hier nicht notwendig.

Sandbad:

Das Sandbad sollte einen Mindestdurchmesser von 20cm haben, damit sich die Renner richtig ausstrecken können beim Baden.

Als Badesand empfiehlt sich der herkömmliche Chinchillasand. Bitte nehmt keinen Vogelsand! Dort sind Muschelstücke und andere Zusätze enthalten, die den Mäusen schaden können.

Laufrad:

Das Laufrad wird in der Regel sehr gerne und aktiv benutzt, immerhin legen Rennmäuse in freier Natur täglich einige Kilometer zurück und müssen ihre Energie auch in Gefangenschaft irgendwo „loswerden“.

Das Laufrad muss mindestens einen Durchmesser von 27-30 cm haben.

Die Lauffläche eures Laufrads sollte geschlossen sein und keine Querstreben haben, durch welche ein Schereneffekt entstehen könnte. Die Tiere könnten sich selbst das Genick brechen, sich den Schwanz abtrennen oder sich anderweitig verletzen.

Bitte kauft keine Gitterlaufräder, dort könnten sich die Tiere die Zehen einquetschen und eventuell sogar abreissen oder sie verletzen sich anderweitig.

Einrichtung:

Hier gilt es darauf zu achten, dass die Häuschen, Leitern, Etagen, Tunnel und andere Teile nicht genagelt oder getackert sind. Die Einrichtungsgegenstände, die man so im Zooladen findet, besonders die mit der dunklen Rinde, ist oft getackert und damit sehr gefährlich für die Kleinen, welche sich schwer verletzen können, wenn sie sie annagen.

Dicke unbedruckte Pappröhren können z.B. unter die Einstreu gelegt und als Tunnel genutzt werden. Außerdem sind Korkäste, Röhren aus Kork und Holz, Weinreben und Keramikhäuschen, Tontöpfe und große Bonbongläser eine tolle Möglichkeit die Gehege einzurichten und weitere Untergründe anzubieten. In Bonbongläsern kann man z.B. noch Maisspindelgranulat, Kokoshumus und andere Untergründe anbieten. Außerdem bieten sich Naturmaterialien wie Steine und Steinplatten als schöne Abwechslung an. Besonders im Sommer, bieten diese Abkühlung für die Tiere und sie können dort ihre Krallen abwetzen. Gerne angenommen werden auch Grashäuser und Kokosnüsse, halbe oder ganze, im Einstreu oder aufgehängt in geringer Höhe über der Etage oder der Einstreu.

Pappe ohne Aufdruck, Küchenpapier, Klopapierrollen, Safebed, Baumwolleinstreu und Heu eigenen sich für die Beschäftigung und den Nestbau.

Beschäftigung und Auslauf:

Futterversteckspiele lieben die Kleinen, Clickertraining und ntelligenzspielsachen nehmen viele ebenfalls gut an.Es gibt viele Möglichkeiten Rennmäuse zu beschäftigen und viele davon sind sehr einfach umzusetzen.

Neue Einrichtung aus Gras- oder unbehandeltem und unbedrucktem Papier oder Pappe, gebastelte Dinge wie Papierkugelhäuser, Klorollen mit Heu und Leckerlies, vollgestopfte Nistkästen, Klorollen mit Futterverkleidung, Klopapierhäuschen etc sind tolle Möglichkeiten die Kleinen zu beschäftigen.

Auslauf kann man der Gruppe in einem gesicherten Bereich geben, so lange und so oft, die Nasen es eben einfordern. Hierbei sollte allerdings beobachtet werden, wie die Tiere auf den Auslauf reagieren. Bei instabilen Gruppen oder unsicheren Tieren, kann Auslauf durchaus auch zu Streitigkeiten führen. Deshalb beobachtet eure Nasen nach dem Auslauf und richtet euch nach ihren Bedürfnissen.

Als Auslauf empfiehlt sich ein vorher mäusesicher gemachter Raum oder abgetrennter Bereich. D.h. Steckdosen, Kabel, Kerzen, Pflanzen etc. sind nicht mehr erreichbar für die Tiere. Im Auslauf kann man Pappkästen aufstellen, diese mit Küchenpapier füllen und Leckerchen dazwischen verstecken. Etagen, Leitern, Laub, Rascheltunnel, Röhren und andere Versteckmöglichkeiten werden im Auslauf sehr gerne angenommen.

Ebenfalls ein tolles Spielzeug sind Herrchen und Frauchen Achtet nur drauf, dass ihr euch nicht aus Versehen auf die Kleinen stützt oder setzt. Die sind so schnell da und wieder weg, so schnell kann man gar nicht gucken.

Ernährung:

Artgerechtes und gutes Rennmausfutter findet ihr nicht oder nur selten im Geschäft. Das Futter aus dem Zooladen enthält viele Abfälle aus der Produktion anderer Artikel, die genutzt werden um die Futtertüte zu füllen. Außerdem enthalten Futtermittel aus dem Zooladen oft Zucker und andere ungesunde Zusätze.

Gutes Futter bekommt ihr z.B. bei der Futterkrämerei, Mixerama, Futterparadies und anderen Onlineanbietern. Diese achten darauf, dass die Zusammensetzung ihres Futters genau auf die Bedürfnisse der Rennmaus abgestimmt ist und die Tiere viele gute und abwechslungsreiche Bestandteile geboten bekommen.

Wenn eure Kleinen einen Futterbunker anlegen und ihr den Futterbunker säubern wollt, werft das Futter bitte weg.

Eiweiß sollte mehrmals in der Woche angeboten werden. Dieses kann in Form von:
-Mehlwürmer (getrocknet oder lebend, Achtung: fetthaltig)
-Gammarus (getrocknet)
-Bombyx Mori-Larven (Seidenraupen, getrocknet)
-Grillen/Heuschrecken (getrocknet oder lebendig)

angeboten werden.

Frischfutter wie Salat, Karotten, Gurke,Tomaten (Ohne Kerne!), Basilikum, Petersilie etc. kan täglich zur Verfügung gestellt werden. Hier muss man allerdings ein wenig aufpassen, die Kleinen bunkern nicht nur ihr Körnerfutter, sondern schleppen auch das Grünzeug in ihre geheimen Lager. Daher immer mal die Futterverstecke kontrollieren. Außerdem sollte man darauf achten, dass es in Maßen, nicht in Massen gefüttert wird, damit die Tiere keinen Durchfall bekommen.

Tierarzt:

Zum Tierarzt geht es immer für die ganze Gruppe, da es ansonsten hinterher aufgrund eines anderen Geruchs des Partnertieres, zu Streitigkeiten kommen kann. Außerdem ist der Partner des kranken Tieres seelische Unterstützung und eine Stützte.

Die verwendete Box sollte benutzte Einstreu, Futter, etwas Gurke, Karotte o.ä. als Wasserersatz, sowie ein Versteck enthalten und rundherum geschlossen sein, so dass die Tiere nicht so viel von dem Trubel um sie herum mitbekommen.

2 Antworten auf „Mongolische Rennmaus-Übersichtstext“

  1. Hallo, ich möchte mir 2 Renner anschaffen und hätte gerne gewusst ob die Terrarienerde eine gute Idee ist ????
    Desert Bedding Outback.
    Ich hatte schon Renner aber mit der üblichen Einstreu.
    Mein Becken wäre 120 x 60.
    Gruß
    Monika

    1. Hallo Monika, schreib mir doch vielleicht am Besten eine Mail, wenn du Rennmäuse adoptieren möchtest. Terrarienerde würde ich nicht als Grundeinstreu nutzen. Diese biete ich nur als zusätzliches Buddelmaterial an. Als Haupteinstreu nutze ich Plospan. LG Irina

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